Laura López Castro

01.10.2007 - 20:30 | Derag Hotel Maximilian | 24,00 / 18,00 - zzgl. VVK-Gebühr | Jetzt Karten sichern


Nürnberger Stimmenfang Festival
und
Derag Hotel Maximilian präsentieren

BENEFIZKONZERT:

Spanish Soul mit Laura López Castro

Der Erlös dieses Konzerts kommt dem Verein Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Nürnberg e.V. zugute.


Vor dem Konzert
(18-19:30 Uhr) findet im Derag Hotel Maximilian ein kulturpolitisches Gespräch statt zum Thema „Jazz in der Stadt, mit der Stadt, für die Stadt." Es diskutieren auf diesem Podium Vertreter der Jazzszene und aus Kultur, Politik und den Medien. Die "Jazzfamily" und die Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen, sich an diesem Gespräch zu beteiligen. Beginn: 18 Uhr, der Eintritt zu diesem Podium ist frei.


Aus der Schattenseite der Melancholie ins helle Licht des Glücks:
Spanish Soul mit der bezaubernden Sängerin Laura López Castro

Die vollkommenste Form der Verführung ist vermutlich jene, die mit kleinstmöglichen Gesten auskommt. Das neue Album von Laura López Castro übersetzt diese These in die Musik. Es geht hier um Lieder, die einen treffen wie ein schönes Lächeln oder wie ein verführerischer Augenaufschlag. Um Lieder, die nicht vom Stürmischen handeln, sondern eher von jenem magischen Moment, in dem ein Wind aufkommt.

Laura López Castro

«Laura López Castro y Don Philippe inventan el ser feliz» („Laura López Castro und Don Philippe erfinden das Glück“): Der Albumtitel führt gleichzeitig in die Irre und erklärt doch alles. Das Glück, das die beiden Hauptdarsteller dieses Albums meinen, hat nichts zu tun mit hochtrabender Heiterkeit. Es ist eine beschauliche stille Form des Glücks, die hier erfunden wird.

Erste Entwürfe dieses Glücks wurden 2003 in Stuttgart skizziert, wo sich die Sängerin Laura López Castro und der Gitarrist, Komponist und Produzent Don Philippe zum ersten musikalischen Austausch trafen. Sie, eine gesellige Schauspielschülerin aus dem Umland von Stuttgart mit spanischen Eltern und einer Schwäche für Björk und Kyuss. Er, ein zurückhaltender urbaner Mittvierziger mit französischen Wurzeln, Mitbegründer der Hip-Hop-Formation Freundeskreis und Besitzer einer – besonders in den Musikzweigen Jazz und Bossa Nova – überaus erlesenen Plattensammlung.

Zunächst finden sich die beiden im Interpretieren alter Bossa-Nova-Klassiker – fasziniert von der Einfachheit der Mittel, mit denen die brasilianischen Meister ihre leicht federnde Schwermut kreierten. Es ist diese Vermengung von unterkühlter Eleganz und lohender Sinnlichkeit im Bossa Nova, aber auch die Harmonik der Musik aus den spanisch sprechenden Ländern Südamerikas, welcher Laura López Castro und Don Philippe anfangs nachspüren. Doch es dauert nicht lange, bis ihre Musik ein Eigenleben entwickelt. Die Stücke von João Gilberto, Tom Jobim oder Atahualpa Yupanqui werden laufend durch eigene Kompositionen ersetzt, das Klangbild wird angereichert mit Spurenelementen des Jazz, der orientalischen oder der klassischen Musik, und die Amtssprache wechselt vorzugsweise von portugiesisch zu spanisch, der Muttersprache von Laura.

2005 ziehen die beiden nach Berlin, wo sie sich – wegen der guten Akustik – vornehmlich in der Küche der Altbauwohnung Philippes in ihre musikalischen Essays vertiefen. Ihr Erstling «Mi Libro Abierto» erscheint im Frühling 2006 weltweit und arriviert zu einem kleinen Markstein wehmütiger akustischer Seelenmusik. Das Album geht über 20 000-mal über den Ladentisch. Es folgen ausgedehnte Tourneen, unter anderem eine viel bejubelte Europatournee zusammen mit Stuart A. Staples, dem Sänger der britischen Band Tindersticks.

Das zweite Album von Laura López Castro setzt nun punktgenau dort an, wo sein Vorgänger ausgeklungen ist – vielleicht von etwas mehr Selbstvertrauen gestützt und mit noch mehr kleinen Raffinessen ausgestattet. Beim Gros der Songs handelt es sich um Eigenkompositionen, doch es finden sich auch fast vergessene Schätze aus der Musikgeschichte im Repertoire. Lieder, die vornehmlich an den Schattenplätzen sonnigerer Kontinente ersonnen worden sind und aus denen die beiden die Essenz des Schönen destilliert haben. Zum Beispiel aus dem schwerblütigen Bolero „Tu me acostumbraste“, mit welchem der kubanische Urheber Frank Dominguez den bitteren Nachgeschmack des Schmerzes auszudrücken versuchte, den jede Leidenschaft begleitet. Oder dem sorglosen „Acabou Chorare“ vom brasilianischen Hippie-Kollektiv Os Novos Baianos – eine umwerfende Ode auf die kleinen Wunder der Natur, zu der bereits die kleine Bebel Gilberto getanzt haben soll, als sie mit ihrem Vater João Gilberto in den frühen Siebzigerjahren die zottige Kommune der Band besuchte.

„Ich habe zu den Coverversionen die gleiche innige Beziehung wie zu unseren eigenen Liedern entwickelt“, sagt Don Philippe. Und wenn Laura López Castro über die einzelnen Songs spricht, wird schnell klar, dass da keine blossen Launen, sondern langjährige Liebesgeschichten hinter der Auswahl der ausgeliehenen Stücke stecken. Zum Schreiben der eigenen Texte hat sich Laura nach Tarifa zurückgezogen, in jene Stadt ganz im Süden Spaniens, die bis zur Entdeckung Amerikas als das Ende der Welt gegolten hat. „Eine melancholische Stadt“, erzählt sie. „Zu Francos Zeiten wurden dort die ’Verrückten’ ausgesetzt. Die Stadt ist umzingelt von dicken Stadtmauern und zwei Meeren, und die ganze Zeit weht ein ungastlicher Wind.“ Ausgesprochen frohe Texte sind dort nicht entstanden. Die meisten handeln von der immerwährenden Suche nach Liebe, andere von der Unmöglichkeit derselben. Zusammen mit Don Philippe wurden sie in eine adäquate musikalische Form gebracht: Ein Lied wie das zartbittere „Búscame“ (”Suche mich”) – ein Plädoyer für die These, dass dem Glück näher ist, wer nicht mit dem Strom schwimmt – klingt bereits wie ein kleiner Klassiker, bevor es sich in der weiten Welt bewährt hat. Ebenso das gleichzeitig nachdenkliche wie aufbrausende „Hasta que vuelvas“ (”Bis Du zurückkehrst”), die gleichzeitig fatalistische wie tröstende Betrachtung einer verflossenen Liebschaft.

Gitarre und Stimme; mit diesem Line-Up kommt die Mehrzahl der Songs aus. Eine Gitarre, die aufs erste Hinhören bloss der Sache zu dienen scheint, deren kleine harmonische und rhythmische Finten sich indes beim genauen Zuhören erschliessen. Und Lauras betörende Stimme, die vornehm auf jegliches gekünstelte Pathos verzichtet und doch vom ersten Ton an eine ergreifende Strahlkraft entwickelt. Temporär schleicht sich mal ein handliches Streicher-Ensemble (arrangiert von Sebastian Studnitzky), ein ernster Kontrabass (Paul Kleber/ Christoph Sauer) oder eine stossseufzende Jazz-Trompete (Sebastian Studnitzky/ Daniel A. Oberto) ein, doch auch diese wenigen Mittel werden mit aufreizender Sparsamkeit eingesetzt. Mit einem Minimum an musikalischer Regung wird hier ein Höchstmass an Harmonie entfacht.

Erfunden haben Laura López Castro und Don Philippe nicht nur ihre Lesart des Glücks, sondern ein Album voller phrasen- und zeitloser Songs, die das Kunststück vollbringen, einen gleichzeitig in Schwermut schwelgen zu lassen, um über diesen Zustand simultan gleich wieder hinwegzutrösten. Lieder, die in ihrer himmeltraurigen Schönheit irgendwie glücklich machen.